Wie bleibt Wasser auch nach langen Standzeiten hygienisch? Wie lassen sich steigende Wassertemperaturen in Leitungen sinnvoll nutzen? Und wie kann Abwasser aus industriellen Prozessen effizient gereinigt werden? Mit genau diesen Fragen beschäftigte sich eine Schülergruppe des Städtischen Gymnasiums Olpe im Rahmen des internationalen „Waterwise Future Project“.
An dem Projekt nahmen elf Schülerinnen der Jahrgangsstufe 9 sowie drei Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase (Q1) teil. Initiiert wurde das Vorhaben von der Universität Siegen durch Professor Dr. Ingo Witzke, der den Kontakt zur Sangre de Cristo Highschool in Mosca/Colorado hergestellt hat. Ziel des sogenannten „Authentic-STEM“-Projekts ist es, reale Problemstellungen aus der Berufswelt durch internationale Schülerteams bearbeiten zu lassen.
Praxisnahe Herausforderungen lieferten dabei die international tätigen Unternehmen Kemper aus Olpe und ALSCO. Im Fokus standen zentrale Fragen der Wasserhygiene und Ressourcennutzung: So entwickelten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise Konzepte, um stagnierendes Wasser in Leitungen - etwa in Schulen während der Nacht oder in Ferienzeiten - hygienisch zu halten, ohne unnötig Wasser zu verschwenden. Ein weiteres Thema war die Erwärmung von Wasser in Leitungen während Hitzeperioden und die Frage, wie diese Energie genutzt werden kann, ohne die Wasserqualität zu beeinträchtigen.
Besonders innovativ waren die Lösungsansätze im Bereich der Wasserfiltration: Für die industrielle Textilreinigung, bei der Mikrofasern ins Abwasser gelangen, entwickelten die Jugendlichen eigene Filtersysteme. Diese sollen künftig dazu beitragen, Wasser effektiver von Faserpartikeln zu reinigen - ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Produktionsprozesse.
Ein besonderer Bestandteil des Projekts war die enge transatlantische Zusammenarbeit: In Online-Meetings arbeiteten die deutschen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren amerikanischen Partnern an den Fragestellungen und entwickelten kooperativ ihre Lösungsansätze. So entstand ein intensiver fachlicher und kultureller Austausch bereits lange vor der eigentlichen Reise.
Im Verlauf des Projekts präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit auf Einladung ins US-Konsulat nach Düsseldorf unter anderem der amerikanischen Generalkonsulin Preeti V. Shah und NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller.
Ein Höhepunkt des Projekts war die anschließende Reise in die USA, die vom Förderverein „Internationale Schule am SGO“ gefördert wurde. Ende April machte sich die 14-köpfige Gruppe mit Schulleiter Holger Köster und Schulentwicklungskoordinatorin Pia Weber auf den Weg nach Colorado. Vor Ort erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in den Arbeitsalltag der Firma ALSCO und erlebten hautnah, welche Bedeutung Wasseraufbereitung und Filtersysteme in der großindustriellen Textilreinigung haben. Dabei wurde deutlich, dass die im Projekt entwickelten Ideen durchaus Potenzial für reale Anwendungen besitzen.
Neben der fachlichen Arbeit bot die Reise auch zahlreiche kulturelle und landschaftliche Eindrücke. Die Gruppe erkundete die Stadt Denver, besuchte den Rocky-Mountains-Nationalpark und erlebte die beeindruckende Natur Colorados - von Sanddünen bis zu Wasserfällen. Für viele der Teilnehmenden war es die erste Reise in die USA, was das Projekt zu einer besonders prägenden Erfahrung machte - nicht zuletzt auch, weil neue transatlantische Freundschaften entstanden.
Das „Waterwise Future Project“ zeigt eindrucksvoll, wie Schule, Wissenschaft und Wirtschaft erfolgreich zusammenarbeiten können. Die Schülerinnen und Schüler vom SGO bewiesen dabei nicht nur Kreativität und Teamfähigkeit, sondern auch, dass sie in der Lage sind, komplexe globale Herausforderungen aktiv mitzugestalten. (Text: Pia Weber)
